37 Praktiken eines Bodhisattvas

Von Ngulchu Gyalsas Thogmed Zangpo (1245-1369), mit Kommentar von seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama und Tenzin Gyatso

Geboren in Amdo, Tibet, 1935, wurde Tenzin Gyatso erkannt als der Vierzehnte Dalai Lama, spiritueller und zeitlicher Führer von Tibet. Gewinner des Nobelpreises für Frieden 1989, heute bekannt als großer spiritueller Lehrer und unermüdlicher Kämpfer für den Frieden. Seine angeborene Wärme, sein durchdringender Intellekt und seine entwaffnende Menschlichkeit haben ihm weltweit zahlreiche Freunde und Verehrer beschert.

„Die siebenunddreißig Praktiken des Bodhisattvas“ von Ngulchu Thogmed Zangpo (1245 –1369) ist einer der populärsten Texte zum Training des Minds und kann auch im Zusammenhang mit der Lam Rim Tradition erklärt werden. Seine Botschaft ist zeitlos und seine Bedeutung universell.

Dieser Kommentar seiner Heiligkeit des vierzehnten Dalai Lamas, wie er während der Kalachakra Einweihung in Bodh Gaya gehalten wurde, charakterisiert sich durch seine Klarheit, Anwendbarkeit, und Gründlichkeit. Jeder Vers des Wurzeltextes ist genauestens ausgearbeitet, und als Erweiterung in zugänglicher Sprache gibt seine Heiligkeit der Dalai Lama einführende Belehrungen am Anfang eines jeden Tages, in welchen er jeden Aspekt des täglichen Lebens berührt. Der Inhalt des Buches soll jedem buddhistischen Schüler Nutzen bringen, und allen anderen ebenso.

Namo Arya Lokeshvara

Ich verbeuge mich respektvoll durch meine drei Tore zum höchsten Guru und Beschützer Lokeshvara welcher obgleich alle Phänomene erkennend als frei von Kommen und Gehen alle Bemühungen einsgerichtet ausführt zum Wohle der fühlenden Wesen

Erste Praxis

Der Besitz dieser menschlichen Grundlage, dieses kostbare Gefäß, das so schwer zu erlangen ist, darauf ausgerichtet, andere und uns aus dem Ozean des Samsara zu befreien. Zu hören, zu reflektieren und zu meditieren, Tag und Nacht ohne Ablenkung Dies ist eine Praxis des Bodhisattvas.

Zweite Praxis

In die Richtung zu unseren Freunden und zu denen, die wir lieben, fließen die Wasser der Anhaftung. Zu unseren Feinden brennt das Feuer des Zorns. Im Dunkel der Ignoranz verlieren wir den Überblick über das, was wir lassen sollten und was wir praktizieren sollten. Daher, der Verzicht auf eigenes Land und Heimat ist eine Praxis des Bodhisattvas.

Dritte Praxis

Wenn wir unsere schädliche Umgebung verlassen, unsere Illusionen vermindern und wir keine Ablenkungen haben, entwickelt sich unsere Praxis der Tugendhaftigkeit spontan, läßt uns mit einem klaren Mind zurück und unser Vertrauen in Dharma wächst. In der Einsamkeit zu leben ist eine Praxis des Bodhisattvas.

Vierte Praxis

Eines Tages werden alte und liebe Freunde getrennt, Güter und Reichtümer, erworben unter großen Anstrengungen, werden zurückgelassen Bewustsein, der Gast des Körpers, dieser zeitweiligen Behausung, wird verschwinden Von diesem Moment an, auf alle Anhaftungen in diesem Leben zu verzichten, ist eine Praxis des Bodhisattvas.

Fünfte Praxis

Wenn wir zornvolle Begleiter haben, wachsen die drei Gifte unsere Reflexion und Meditation wird weniger, Liebe und Mitgefühl sind zerstreut Die gefährliche Begleitung zu vermeiden, ist eine Praxis des Bodhisattvas.

Sechste Praxis

Zu vertrauen auf einen spirituellen Freund der alle Illusionen entfernt hat dessen Kompetenz in Lehre und Praxis vollkommen ist und dessen Qualitäten anwachsen wie der zunehmende Mond diesen Lehrer mehr zu würdigen als seinen eigenen Körper ist eine Praxis des Bodhisattvas.

Siebte Praxis

Wie könnten die Götter dieser Welt uns möglicherweise befreien selbst an das Gefängnis von Samsara gebunden Stattdessen laßt uns Zuflucht nehmen in das, worauf wir vertrauen können Zuflucht zu nehmen zu den Drei Juwelen ist eine Praxis des Bodhisattvas

Achte Praxis

die unerträglichen Leiden der niederen Bereiche so sagt es der Buddha, sind die Frucht von Karma daher keine negativen Handlungen mehr auszuführen ist eine Praxis des Bodhisattvas

Neunte Praxis

Das Glück der drei Welten ist wie der Tau auf dem Rand eines Grashalmes, augenblicklich verschwindend. Zu verlangen nach der höchsten, unwandelbaren Befreiung ist eine Praxis des Bodhisattvas.

Zehnte Praxis

Seit anfangsloser Zeit kümmerten sich unsere Mütter mit Zärtlichkeit um uns. Welchen Nutzen hat es wenn sie immer noch leiden? Bodhicitta zu erzeugen mit der Absicht unendlich viel Wesen zu befreien ist eine Praxis eines Bodhisattvas.

Elfte Praxis

Alles Leid ohne Ausnahme kommt von dem Wunsch nach Glück für einen Selbst während perfekte Buddhaschaft geboren ist aus dem Wunsch andere glücklich zu machen. Das ist der Grund warum vollständige Auswechslung des eigenen Glücks gegen das Leiden der anderen eine Praxis des Bodhisattvas ist.

Zwölfte Praxis

Wenn im Festhalten an brutalen Wünschen oder grausamen Notwendigkeiten eine unglückselige Person unseren Besitz stiehlt oder jemanden aufhetzt dies zu tun dann voller Mitgefühl zu sein, dieser Person unseren Körper zu widmen, unseren Besitz, vergangene, gegenwärtige und zukünftige Verdienste, dies ist eine Praxis des Bodhisattvas

Dreizehnte Praxis

Selbst wenn wir bezwungen oder gefoltert werden, unser Kopf abgeschlagen wird dürfen wir es nicht erlauben, daß Zorn in uns entsteht Ein großes Mitgefühl zu haben für diese armen Wesen, die uns aus Unwissenheit heraus schlecht behandeln, ist eine Praxis des Bodhisattvas.

Vierzehnte Praxis

Wenn ohne Grund, gewisse Leute uns verleugnen, bis zu dem Punkt an dem die ganze Welt voll ist mit ihrem heimtückischen Tratsch dann liebevoll ihre Tugenden zu preisen ist eine Praxis des Bodhisattvas

Fünfzehnte Praxis

Wenn in der Gesellschaft von einigen Leuten, einer von ihnen einen Fehler entdeckt, den wir vielleicht versteckt hielten, sich nicht irritieren zu lassen von jemandem der sich so gegenüber uns verhält, ihn aber als höchsten Guru zu betrachten, ist eine Praxis eines Bodhisattvas

Sechszehnte Praxis

Wenn jemand, dem wir geholfen haben und den wir beschützt haben wie unser eigenes Kind, nur Undankbarkeit und Missachtung erwidert, gegen eine solche Person zärtliches Mitgefühl zu haben, wie eine Mutter für ihr Kind, das ist eine Praxis des Bodhisattvas

Siebzehnte Praxis

Wenn jemand, der dir gleichwertig ist oder jemand, der eindeutig dein Untergebener ist, dich verabscheut oder aus Arroganz heraus versucht dich zu abzuwerten, ihn dennoch als deinen Meister anzuschauen, ist die Praxis des Bodhisattvas

Achtzehnte Praxis

wenn wir verlassen sind, über und über mit Krankheiten und Nöten dann nicht aufzugeben, dafür aber daran zu denken all die falschen Taten anzunehmen, die von anderen ausgeführt wurden und die Konsequenzen zu erleiden, ist eine Praxis des Bodhisattvas

Neunzehnte Praxis

Wenn wir einen guten Ruf, Respekt bei jederman, und den Reichtum von Vaishravana ( Schützer König ) genießen, zu sehen daß die Früchte des Karmas ohne Substanz sind und keinen Stolz zu entwickeln in dieser Betrachtung ist eine Praxis des Bodhisattvas

Zwanzigste Praxis

Wenn wir einen guten Ruf, Respekt bei jederman, und den Reichtum von Vaishravana ( Schützer König ) genießen, zu sehen daß die Früchte des Karmas ohne Substanz sind und keinen Stolz zu entwickeln in dieser Betrachtung ist eine Praxis des Bodhisattvas

Einundzwanzigste Praxis

Die Natur der sinnlichen Freuden ist wie Salzwasser je mehr wir trinken, umso mehr wächst unser Durst an Auf die Objekte zu verzichten in deren Richtung Wünsche entstehen ist eine Praxis des Bodhisattvas.

Zweiundzwanzigste Praxis

Alles was erscheint kommt von einer Illusion des Minds und das Mind selbst ist seit anfangsloser Zeit ohne inhärente Existenz frei von den zwei Extremen der Manifestation ( Äußerlichkeit und Nichtigkeit ) und jenseits aller Ausarbeitung Diese Natur zu verstehen (Tathata) und nicht zu denken, Subjekte und Objekte würden wirklich existieren ist eine Praxis des Bodhisattvas

Dreiundzwanzigste Praxis

wenn wir auf ein attraktives Objekt stoßen oder etwas dass unserem Mind gefällt, sehen wir es als schön an und real, aber tatsächlich ist es leer wie ein Regenbogen im Sommer Anhaftung dahingehend zu verhindern ist eine Praxis des Bodhisattvas

Vierundzwanzigste Praxis

Verschiedene Leiden sind so zu erfahren wie der Tod eines einzelnen Kindes in einem Traum Das was nur eine fehlerhafte Erscheinung ist als wahr anzunehmen ist eine nutzlose Verschwendung von Körper und Mind wenn wir auf unvorteilhafte Umstände treffen sich ihen so anzunähern, denkend sie seien nur Illusionen ist eine Praxis des Bodhisattvas

Fünfundzwanzigste Praxis

Wenn derjenige, der Erwachen wünscht, seinen eigenen Körper opfern muss, sein kostbares menschliches Leben, welchen Nutzen macht der Glaube an Verzicht auf äußere Objekte Dies ist warum das Praktizieren von Generosität ohne Hoffnung auf einen Gewinn oder eine “karmische Frucht” eine Praxis des Bodhisattvas ist

Sechsundzwanzigste Praxis

Wenn wir ethische Disziplin vermissen, können wir nicht unsere eigene Intention realisieren Es ist ein einfacher Witz zu wünschen, die Versprechen anderer Wesen erfüllen zu wollen Regeln und Versprechen nicht für zeitweilige oder samsarische Ziele einzuhalten, sondern mit der Absicht allen fühlenden Wesen zu helfen ist die Praxis eines Bodhisattvas

Siebenundzwanzigste Praxis

Für einen Sohn (oder eine Tochter) eines Buddhas der die Auszeichnungen des tugendhaften Verdienstes wünscht sind alle nachteiligen Umstände kostbare Schätze wofür die Praxis von Kshanti (Geduld) erforderlich ist Geduldig zu sein in Perfektion, ohne Irritation oder Verstimmung gegen irgend jemanden ist eine Praxis des Bodhisattvas

Achtundzwanzigste Praxis

Selbst die Pratyekabuddhas und die Shravakas, die sich nur auf ihre eigene Befreiung beziehen, machen große Anstrengungen, um Energie (Virya) zu bekommen. Perfektion in der Übung von Energie, der Quelle aller Qualitäten zum Wohle aller Wesen, ist eine Praxis des Bodhisattvas

Neunundzwanzigste Praxis

Im Verstehensprozess dieser speziellen Sichtweise in Einheit mit dem Beibehalten von Ruhe, werden Wünsche und Hindernisse vollständig zerstreut Trainieren in dieser Konzentration, welche die vier formlosen Stufen übersteigt ist eine Praxis des Bodhisattvas

Dreißigste Praxis

Ohne Weisheit, können die fünf vorausgehenden Tugenden nicht Paramita genannt werden (ausgezeichnet, perfekt) und sind außerstande, uns zur Buddhaschaft zu führen. Die richtige Sichtweise zu haben, die den Handelnden, die Tat selbst, und denjenigen der die Tat empfängt, wahrnimmt, als vollständig ohne inhärente Existenz, ist eine Praxis des Bodhisattvas

Einunddreißigste Praxis

unsere Aktionen und Gefühle nicht zu analysieren, erlaubt das Entstehen von Wünschen. Unsere Irrtümer und Mängel zu prüfen mit dem Ziel, uns selbst von jenen vollständig abzutrennen, ist eine Praxis des Bodhisattvas

Zweiunddreißigste Praxis

niemals andere zu kritisieren oder über Irrtümer zu sprechen die jene ausgeführt haben, die auf dem Mahayana Pfad sind, ist eine Praxis des Bodhisattvas

Dreiunddreißigste Praxis

In der Absicht Opferdarbietungen zu empfangen und umgeben zu sein mit Respekt kämpfen wir gegeneinander im Geist des Wettbewerbs und schädigen unsere auf das Studium ausgerichtete Aufmerksamkeit; unsere Meditation wird schlaff. Allen Anhaftungen eines Haushalts von Freunden oder Gönnern zu entsagen, ist eine Praxis des Bodhisattvas

Vierunddreißigste Praxis

Verletzende Rede verstört das Mind der anderen und unsere Praxis fühlt die Effekte von diesem Jegliche Grobheit zu vermeiden und vulgäre Sprache, alles verletzende Sprechen und alles wertlose Geschwätz, ist eine Praxis des Bodhisattva

Fünfunddreißigste Praxis

Gewohnheitsmässige Leidenschaften sind hart umzukehren mit einem Gegenmittel Leidenschaften zu zerstreuen, wie etwa Anhaftung und andere, so früh wie sie erscheinen durch tragen des entgegenwirkenden Schwertes der Achtsamkeit und Introspektion ist eine Praxis des Bodhisattvas

Sechsunddreißigste Praxis

In Kürze, wo immer man auch ist, oder wie auch immer man sich verhält Man sollte immer Achtsamkeit besitzen und Introspektion die Zustände des Minds von jemandem zu überprüfen um das Wohl anderer zu erhalten ist eine Praxis des Bodhisattvas

Siebenunddreißigste Praxis

zu widmen den Verdienst der herrührt von unseren Bemühungen Buddhaschaft zu erlangen, hin zur Erleuchtung durch die Weisheit der Sichtweise der Leerheit der drei Bereiche der Aktivitäten und mit dem Ziel das Leiden der endlosen Wesen zu bewältigen ist eine Praxis des Bodhisattvas

Kategorien: Dharma

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